Prozesse automatisieren: sechs Beispiele aus dem Mittelstand mit Zahlen
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Wer nach Automatisierung sucht, bekommt meist Kategorien: Dokumentenverarbeitung, Workflow-Management, Robotic Process Automation. Daraus lässt sich nicht ableiten, was im eigenen Betrieb als Erstes dran wäre.
Deshalb hier sechs benannte Abläufe statt Kategorien. Jeder kommt in kleinen und mittleren Betrieben regelmäßig vor, jeder ist mit heutigen Mitteln umsetzbar, und bei jedem steht der Aufwand daneben. Am Ende folgt der Abschnitt, den es seltener gibt: wann sich das Ganze nicht lohnt.
1. Angebotserstellung aus wiederkehrenden Bausteinen
Der klassische Fall: Eine Anfrage kommt herein, jemand sucht ein ähnliches Angebot aus dem letzten Jahr, kopiert es, tauscht Positionen und Preise, prüft nach und schickt es raus. Zwischen dreißig Minuten und zwei Stunden pro Angebot, und die Preise stammen aus einer Datei, die vielleicht aktuell ist.
| Woran man ihn erkennt | Die Angebote unterscheiden sich in Positionen und Mengen, nicht in der Struktur. |
| Was entsteht | Ein Formular oder eine Übernahme aus der Anfrage, Preise aus einer gepflegten Quelle, fertiges PDF zur Freigabe. |
| Aufwand | Zwei bis vier Wochen, abhängig davon, wie sauber die Preisliste vorliegt. |
| Ertrag | Bearbeitungszeit typischerweise auf ein Viertel. Der zweite Effekt wiegt oft schwerer: keine veralteten Preise mehr im Umlauf. |
2. Rechnungseingang und Zuordnung
Rechnungen kommen als PDF im Postfach an. Jemand öffnet sie, liest Lieferant, Betrag, Rechnungsnummer und Datum ab, tippt sie in die Buchhaltung, legt die Datei ab und ordnet sie einem Projekt zu. Bei achtzig Rechnungen im Monat ist das ein voller Arbeitstag.
| Woran man ihn erkennt | Die Daten stehen bereits digital im Dokument und werden trotzdem abgetippt. |
| Was entsteht | Auslesen der Felder, Abgleich mit Lieferanten und offenen Bestellungen, Vorschlag zur Freigabe. Der Mensch bestätigt, statt zu tippen. |
| Aufwand | Drei bis sechs Wochen. Die Erkennung ist der leichtere Teil, die Anbindung an die Buchhaltung der schwerere. |
| Ertrag | Erfassungszeit meist unter einem Fünftel. Tippfehler bei Beträgen und Rechnungsnummern entfallen weitgehend. |
3. Terminvergabe ohne Rückfragen
Eine Anfrage kommt, es folgen drei E-Mails über passende Zeitfenster, dann ein Eintrag im Kalender und eine Bestätigung. Vier Vorgänge für einen Termin, verteilt über zwei Tage, in denen die Anfrage kalt wird.
| Woran man ihn erkennt | Die Abstimmung dauert länger als der Termin selbst. |
| Was entsteht | Verfügbare Zeiten direkt buchbar, Eintrag und Bestätigung laufen mit, Erinnerung vor dem Termin. |
| Aufwand | Wenige Tage. Das ist der einfachste Fall auf dieser Liste. |
| Ertrag | Der Zeitgewinn ist klein, die Wirkung auf Anfragen groß: Wer sofort buchen kann, springt seltener ab. Ausfälle gehen durch die Erinnerung spürbar zurück. |
4. Onboarding neuer Mitarbeiter
Ein Eintritt löst zwölf bis zwanzig Einzelschritte aus: Konten anlegen, Zugänge vergeben, Hardware bestellen, Einweisungen planen, Unterlagen bereitstellen. Verteilt auf drei Abteilungen, koordiniert über eine Checkliste, die jemand pflegt.
| Woran man ihn erkennt | Es gibt eine Checkliste, und trotzdem fehlt am ersten Tag regelmäßig etwas. |
| Was entsteht | Ein Eintrag stößt alle Aufgaben mit Fristen und Zuständigkeit an, der Stand ist an einer Stelle sichtbar. |
| Aufwand | Zwei bis vier Wochen, hauptsächlich Abstimmung darüber, wer was macht. |
| Ertrag | Die Koordination entfällt fast vollständig. Der eigentliche Gewinn ist, dass nichts mehr vergessen wird, und das lässt sich schwer in Stunden messen. |
5. Wiederkehrende Berichte
Jeden Monat zieht jemand Zahlen aus zwei oder drei Systemen, fügt sie in eine Tabelle, formatiert, kommentiert und verschickt. Ein halber bis ganzer Tag, jeden Monat, für eine Auswertung, die häufig ungelesen bleibt.
| Woran man ihn erkennt | Der Aufbau ist seit Monaten identisch, nur die Zahlen ändern sich. |
| Was entsteht | Daten werden automatisch zusammengeführt, der Bericht liegt zum Stichtag bereit. Der Kommentar bleibt Handarbeit, denn er ist der einzige Teil mit Aussage. |
| Aufwand | Eine bis drei Wochen, abhängig davon, wie zugänglich die Quellsysteme sind. |
| Ertrag | Fast die gesamte Erstellungszeit. Vorher lohnt allerdings die Frage, ob der Bericht überhaupt gebraucht wird. |
6. Datenübertragung zwischen zwei Systemen
Der unauffälligste Fall und oft der teuerste. Ein Auftrag steht im einen System und muss ins andere, ein Kundenstamm wird an zwei Stellen gepflegt, eine Liste wird exportiert und importiert. Selten mehr als zehn Minuten, aber täglich, und jede Abweichung kostet später Suchzeit.
| Woran man ihn erkennt | Dieselbe Angabe steht an zwei Stellen, und beim ersten Widerspruch weiß niemand, welche stimmt. |
| Was entsteht | Eine Verbindung mit klarer Richtung: ein System führt, das andere folgt. |
| Aufwand | Eine bis vier Wochen, je nachdem ob beide Systeme Schnittstellen anbieten. |
| Ertrag | Die tägliche Zeit ist der kleinere Teil. Der größere ist, dass Widersprüche zwischen den Systemen aufhören. |
Wo sich Automatisierung nicht lohnt
Vier Fälle, in denen wir abraten, auch wenn technisch etwas möglich wäre.
- Der Ablauf kommt selten vor. Vier Vorgänge im Monat rechtfertigen keine drei Wochen Umbau, egal wie umständlich der einzelne ist.
- Fast jeder Fall ist ein Sonderfall. Wenn die Ausnahmen die Regel sind, automatisiert man Ausnahmen, und das wird teurer als die Handarbeit.
- Der Ablauf soll sich ohnehin ändern. Was in einem halben Jahr anders läuft, baut man nicht jetzt fest.
- Es geht um eine Entscheidung, nicht um eine Übertragung. Ein System kann Daten vorbereiten. Ob ein Kredit gewährt oder eine Kündigung ausgesprochen wird, entscheidet ein Mensch.
Was sich seit dem Aufkommen von Sprachmodellen geändert hat
Bis vor wenigen Jahren scheiterte Automatisierung häufig an unstrukturierten Eingaben. Eine Rechnung mit abweichendem Layout, eine E-Mail in freier Formulierung, ein handschriftlicher Vermerk: Regelbasierte Systeme kamen damit nicht zurecht, und der Aufwand, sie dafür zu ertüchtigen, überstieg den Nutzen.
Genau diese Schwelle ist gefallen. Damit werden Abläufe zugänglich, bei denen eine Prüfung vor drei Jahren zu Recht negativ ausfiel. Wer damals gerechnet hat und zum Ergebnis kam, dass es sich nicht lohnt, sollte die Rechnung wiederholen.
Was sich nicht geändert hat: Ein Sprachmodell macht Fehler anders als ein regelbasiertes System, nämlich plausibel aussehende. Deshalb gehört zu jedem solchen Schritt eine Prüfung, die den Fehler auffangen kann, und deshalb bleibt die Freigabe bei Geld und Verträgen beim Menschen.
Häufige Fragen
- Welche Prozesse lassen sich am ehesten automatisieren?
- Solche, die häufig vorkommen, beschreibbar sind, wenige Ausnahmen haben und deren Daten digital vorliegen. Häufige Fälle im Mittelstand: Angebotserstellung, Rechnungseingang, Terminvergabe, Onboarding, wiederkehrende Berichte und die Übertragung von Daten zwischen zwei Systemen.
- Wie lange dauert die Umsetzung?
- Für die sechs genannten Fälle zwischen wenigen Tagen und sechs Wochen. Die Terminvergabe ist der schnellste, der Rechnungseingang der aufwendigste, weil die Anbindung an die Buchhaltung mehr Arbeit macht als die Erkennung selbst.
- Woran erkenne ich, dass sich ein Ablauf nicht lohnt?
- An vier Anzeichen: Er kommt selten vor. Fast jeder Fall ist ein Sonderfall. Er soll sich ohnehin bald ändern. Oder es geht um eine Entscheidung statt um eine Übertragung. In diesen Fällen raten wir ab, auch wenn technisch etwas machbar wäre.
- Welche Zahlen brauche ich vorher?
- Drei: wie viele Vorgänge im Monat, wie viele Minuten pro Vorgang und welcher Anteil davon Ausnahmen sind. Ohne sie ist jede Ersparnisrechnung geschätzt. Die Erhebung dauert meist eine Woche und ändert oft die Reihenfolge, in der man vorgeht.
- Was hat sich durch KI konkret geändert?
- Unstrukturierte Eingaben sind kein Ausschlusskriterium mehr: abweichende Rechnungslayouts, frei formulierte E-Mails, Vermerke. Abläufe, deren Prüfung vor drei Jahren zu Recht negativ ausfiel, sind damit erreichbar geworden. Neu ist allerdings, dass Fehler plausibel aussehen, weshalb jeder solche Schritt eine Prüfung braucht.
Wie man von einem ausgewählten Ablauf zur Umsetzung kommt, in welcher Reihenfolge und mit welchen Fehlern dabei zu rechnen ist, steht im Leitfaden Geschäftsprozesse automatisieren. Wo die Grenze zwischen einem Chatbot und einem System verläuft, das selbst handelt, klärt KI-Agent oder Chatbot.
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