Geschäftsprozesse automatisieren: Definition, Beispiele, Ablauf
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Wer Geschäftsprozesse automatisieren will, sucht meist keine Software. Er sucht eine Antwort auf eine einfache Frage: Lohnt sich das für einen Betrieb mit zehn oder zwanzig Mitarbeitenden, oder ist das nur etwas für Konzerne mit eigener IT-Abteilung?
Dieser Artikel gibt eine Definition in einem Satz, eine Tabelle mit Beispielen aus dem Mittelstand und einen Ablauf in fünf Schritten. Konkrete Rechnungsbeispiele finden Sie im Artikel zu Geschäftsausgabenprozessen und in unserer Sammlung von Beispielen aus verschiedenen Branchen.
Was bedeutet Geschäftsprozesse automatisieren: Definition in einem Satz
Geschäftsprozesse automatisieren heißt: Ein wiederkehrender Arbeitsablauf mit festen Regeln läuft ohne manuelle Einzelschritte. Software übernimmt Aufgaben wie Dateneingabe, Weiterleitung oder Benachrichtigung. Menschen bleiben für Ausnahmen und Entscheidungen zuständig.
Das ist der Kern von Geschäftsprozessautomatisierung, im Englischen Business Process Automation (BPA). Die englischsprachige Fachliteratur trennt oft zwischen einzelnen automatisierten Aufgaben und ganzen automatisierten Prozessketten. Für einen Betrieb mit fünf bis fünfzig Mitarbeitenden ist diese Trennung meist zweitrangig. Wichtiger ist die Frage, ob der Ablauf überhaupt feste Regeln hat. Ein Prozess ohne klare Regeln lässt sich nicht automatisieren, sondern muss erst geklärt werden.
Welche Prozesse sich automatisieren lassen: Tabelle mit Beispielen aus dem Mittelstand
Nicht jeder Ablauf eignet sich. Gut eignen sich Prozesse, die häufig vorkommen, klaren Regeln folgen und Daten zwischen Systemen bewegen. Die folgende Tabelle zeigt typische Beispiele mit dem Zeitaufwand vor und nach der Automatisierung. Die Werte stammen aus eigenen Projekten bei aimani und sind grobe Richtwerte, keine Garantie.
| Prozess | Manuell | Automatisiert |
|---|---|---|
| Angebot erstellen aus Kundenanfrage | 15 bis 25 Minuten | 2 bis 5 Minuten |
| Rechnung aus Auftragsdaten schreiben | 10 bis 20 Minuten | unter 2 Minuten |
| Terminvergabe mit Bestätigung und Erinnerung | 5 bis 10 Minuten | unter 1 Minute |
| Datenübernahme zwischen CRM und Buchhaltung | 10 bis 30 Minuten je Datensatz | automatisch, ohne Wartezeit |
| Mahnwesen bei überfälligen Rechnungen | 10 bis 15 Minuten je Fall | weitgehend automatisch |
Nicht jeder Prozess gehört in diese Tabelle. Ein Beratungsgespräch mit individuellem Verlauf lässt sich nicht automatisieren, weil jede Situation anders ist. Auch Entscheidungen mit rechtlicher Tragweite sollten weiterhin Menschen treffen. Software kann hier zuarbeiten, aber nicht entscheiden.
Was Geschäftsprozessautomatisierung von Prozessautomatisierung im Allgemeinen unterscheidet
Was versteht man unter Prozessautomatisierung im Allgemeinen? Der Begriff umfasst jede Automatisierung eines Ablaufs, auch in der Fertigung, in der Logistik oder in technischen Anlagen. Geschäftsprozessautomatisierung ist der Teilbereich davon, der Büro- und Verwaltungsabläufe betrifft. Also Angebote, Rechnungen, Terminvergabe und Datenübernahme zwischen Systemen. Fabrikrobotik und Industrie-4.0-Sensorik gehören nicht dazu und sind hier auch nicht Thema.
Die Unterscheidung ist mehr als Wortklauberei. Wer nach Prozessautomatisierungs-Software sucht, findet auch Werkzeuge für Maschinensteuerung, die für ein Büro ungeeignet sind. Für Büroabläufe reichen in der Regel Werkzeuge, die Formulare, Tabellen und E-Mails verbinden. Eine speicherprogrammierbare Steuerung braucht dafür niemand.
Ablauf in fünf Schritten: von der Bestandsaufnahme bis zur laufenden Kontrolle
Für Betriebe ohne eigene IT-Abteilung hat sich ein Ablauf in fünf Schritten bewährt. Jeder Schritt baut auf dem vorigen auf. Überspringen rächt sich meist später.
- Bestandsaufnahme: Welche Abläufe kosten wiederholt Zeit? Notieren, wie oft ein Vorgang im Monat vorkommt und wie lange er manuell dauert.
- Auswahl: Den Ablauf mit dem höchsten Zeitaufwand mal Häufigkeit zuerst angehen, nicht den einfachsten.
- Regeln festlegen: Genau beschreiben, was in jedem Fall passieren soll und was eine Ausnahme ist, die ein Mensch prüft.
- Umsetzung: Software einrichten oder einrichten lassen, mit einem Testlauf an echten, aber unkritischen Daten.
- Laufende Kontrolle: Nach vier bis sechs Wochen prüfen, ob die Regeln noch stimmen und ob Ausnahmen häufiger vorkommen als erwartet.
Der vierte Schritt, die Umsetzung, ist der Punkt, an dem sich viele nach einer fertigen Software zum Automatisieren von Geschäftsprozessen umsehen. Das ist nachvollziehbar, aber verfrüht. Ohne den dritten Schritt, klare Regeln, konfiguriert man auch die beste Software falsch. Wer beim Aufsetzen Unterstützung braucht, findet auf unserer Seite zu Geschäftsprozessautomatisierung einen Überblick über unser Vorgehen.
Was die Automatisierung kostet und ab wann sie sich rechnet
Eine pauschale Zahl für die Kosten gibt es nicht. Der Aufwand hängt davon ab, wie viele Systeme verbunden werden und wie sauber die Ausgangsdaten sind. Wer wissen möchte, welche Größenordnung realistisch ist, findet konkrete Angaben und Beispielrechnungen auf unserer Leistungsseite zum Automatisieren von Geschäftsprozessen.
Wer Geschäftsprozesse vor allem automatisieren will, um Kosten zu reduzieren, sollte zuerst den Zeitaufwand aus der Tabelle oben mit dem eigenen Stundensatz multiplizieren. Das ergibt den monatlichen Wert eines Prozesses. Liegt dieser Wert über dem geschätzten einmaligen Umsetzungsaufwand geteilt durch sechs bis zwölf Monate, rechnet sich die Automatisierung in diesem Zeitraum. Bei seltenen Vorgängen, etwa einmal im Monat, rechnet sich der Aufwand oft erst nach Jahren, wenn überhaupt.
Fertige Standardwerkzeuge sind günstiger als eine individuelle Programmierung, decken aber nicht jeden Sonderfall ab. Eine individuelle Lösung kostet mehr in der Einrichtung, spart aber langfristig, wenn Standardwerkzeuge an Grenzen stoßen. Welcher Weg passt, lässt sich ohne Blick auf den konkreten Prozess nicht seriös beantworten.
Typische Fehler bei der Einführung und wie man sie vermeidet
- Zu groß anfangen: Wer gleich alle Prozesse auf einmal automatisieren will, verliert den Überblick. Besser mit einem Prozess starten und danach erweitern.
- Regeln nicht zu Ende gedacht: Wenn Ausnahmen erst während des Betriebs auffallen, entstehen Fehlbuchungen. Regeln vorher mit echten, auch untypischen Fällen durchspielen.
- Keine Kontrolle nach dem Start: Ohne regelmäßige Prüfung bleiben Fehler unentdeckt, bis sie sich summieren. Eine feste Prüfroutine nach vier bis sechs Wochen hilft.
- Menschen nicht einbeziehen: Wer die Automatisierung ohne die Personen einführt, die den Prozess bisher gemacht haben, übersieht Sonderfälle, die nirgends dokumentiert waren.
Ein Sonderfall der Automatisierung sind BPEL-basierte Systeme. Wer Geschäftsprozesse mit BPEL automatisieren möchte, meint die Business Process Execution Language, eine XML-Sprache zur Beschreibung von Prozessabläufen zwischen größeren IT-Systemen. Für einen Betrieb mit fünf bis fünfzig Mitarbeitenden ist BPEL in aller Regel überdimensioniert. Die Sprache stammt aus Umgebungen mit mehreren Enterprise-Systemen und eigener IT-Abteilung. Einfachere Werkzeuge ohne eigene Programmiersprache reichen für die meisten Fälle aus dem Mittelstand.
Wer sich fragt, wo Prozessautomatisierung endet und wo ein Chatbot oder ein KI-Agent anfängt, findet eine Abgrenzung im Artikel KI-Agent oder Chatbot. Manche Prozesse lassen sich auch mit generativer KI unterstützen, dazu mehr auf der Seite zu KI-Modellen.
Häufige Fragen
- Welche Prozesse kann man automatisieren?
- Am besten eignen sich wiederkehrende Abläufe mit festen Regeln, etwa Angebote und Rechnungen erstellen, Termine vergeben und bestätigen sowie Daten zwischen Systemen wie CRM und Buchhaltung übertragen. Abläufe mit individuellem Verlauf oder rechtlicher Einzelfallprüfung eignen sich dagegen nicht.
- Was ist Geschäftsprozessautomatisierung?
- Geschäftsprozessautomatisierung bedeutet, dass ein wiederkehrender Büro- oder Verwaltungsablauf mit festen Regeln ohne manuelle Einzelschritte läuft. Software übernimmt Dateneingabe, Weiterleitung und Benachrichtigung, während Menschen für Ausnahmen zuständig bleiben.
- Was versteht man unter Prozessautomatisierung?
- Prozessautomatisierung ist der Oberbegriff für die Automatisierung jedes wiederkehrenden Ablaufs, auch in Fertigung und Logistik. Geschäftsprozessautomatisierung ist der Teilbereich davon, der Büro- und Verwaltungsabläufe in Betrieben betrifft.
- Ab welcher Betriebsgröße lohnt sich Prozessautomatisierung?
- Eine feste Untergrenze gibt es nicht. Entscheidend ist, ob ein Vorgang häufig genug vorkommt, dass sich der einmalige Umsetzungsaufwand innerhalb von etwa sechs bis zwölf Monaten durch die eingesparte Zeit ausgleicht. Das kann schon bei fünf Mitarbeitenden der Fall sein, wenn ein Prozess sehr oft vorkommt.
- Wie lange dauert die Einführung einer Prozessautomatisierung?
- Für einen einzelnen, klar abgegrenzten Prozess liegt die Einführung häufig bei wenigen Wochen, inklusive Testlauf. Werden mehrere Systeme verbunden oder sind die Ausgangsdaten unsauber, dauert es entsprechend länger.
Aimani Support