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Hermes KI-Agent: Was er kann und ob er sich im Betrieb lohnt

Veröffentlicht am

  • Hermes Agent ist ein Open-Source-Projekt von Nous Research, das ein eigenes Gedächtnis führt und sich aus vergangenen Aufgaben selbst verbessert.
  • Der Agent läuft mit verschiedenen Sprachmodellen. Er bringt kein eigenes Basismodell mit, sondern greift auf offene Modelle wie die Hermes-Reihe von Nous Research selbst oder auf andere offene Modelle zurück.
  • Wer Hermes nutzen will, braucht entweder eigene Server samt Wartung oder eine API-Anbindung mit laufenden Kosten pro Anfrage.
  • Für Betriebe ohne eigene Entwicklung ist ein fertiger, gehosteter KI-Agent in der Regel der schnellere und wartungsärmere Weg als ein selbst betriebenes Hermes-System.

Hermes KI-Agent in einem Satz: Definition und Herkunft

Hermes Agent ist ein quelloffenes Agentensystem. Es merkt sich frühere Aufgaben und passt sein Verhalten daran an. Das Projekt stammt von Nous Research, einer Forschungsgruppe, die seit Jahren offene Sprachmodelle veröffentlicht.

Der Name Hermes taucht bei Nous Research doppelt auf. Es gibt die Hermes-Modellreihe, das sind Sprachmodelle zum Herunterladen. Und es gibt den Hermes Agent, ein System, das ein solches Modell mit Gedächtnis und Werkzeugzugriff verbindet. Beide Namen werden häufig vermischt, sind aber technisch getrennt.

Wer steckt dahinter: Nous Research und die Modellreihe

Nous Research ist ein unabhängiges Forschungskollektiv. Es veröffentlicht seine Modelle unter offenen Lizenzen und stellt Trainingscode sowie Gewichte auf Plattformen wie Hugging Face bereit. Ein zentrales Team mit Firmensitz und Kundensupport im klassischen Sinn gibt es nicht.

Das unterscheidet Nous Research von Anbietern wie OpenAI oder Anthropic. Es gibt keine Vertriebsabteilung und keinen garantierten Support. Wer ein Problem hat, sucht in der Dokumentation, im Community-Forum oder im Quellcode selbst nach der Antwort. Für Betriebe ohne eigene technische Kapazität ist das ein reales Hindernis, nicht nur eine Randnotiz.

Was der Agent technisch kann: Gedächtnis, Selbstlernen, Tool-Nutzung

Das Gedächtnis ist die zentrale Funktion von Hermes Agent. Anders als ein einfacher Chatbot vergisst der Agent den Gesprächsverlauf nicht nach dem Schließen des Fensters. Er speichert Ergebnisse vergangener Aufgaben und zieht sie bei ähnlichen neuen Aufgaben heran.

Das Selbstlernen bedeutet konkret: Der Agent bewertet eigene Ergebnisse und passt seine Vorgehensweise für die nächste ähnliche Aufgabe an. Das ist kein Training im klassischen Sinn mit neuen Gewichten, sondern eine Anpassung der gespeicherten Erfahrung und der Anweisungen, mit denen der Agent arbeitet.

Zusätzlich kann der Agent externe Werkzeuge aufrufen, etwa Suchfunktionen, Programmierschnittstellen oder Dateisysteme. Diese Tool-Nutzung folgt einem offenen Standard, den auch andere Agentensysteme verwenden. Wer bereits eigene Werkzeuge für andere KI-Systeme gebaut hat, kann diese oft mit geringem Aufwand anbinden.

Hosten oder API: die zwei Wege, Hermes zu nutzen

Für den Einsatz von Hermes Agent gibt es zwei Wege. Beide unterscheiden sich stark im Aufwand.

  • Selbst hosten: Der Agent läuft auf eigener Hardware oder einem gemieteten Server. Das erfordert Kenntnisse in Linux-Administration, ausreichend Rechenleistung für das gewählte Modell und laufende Wartung, etwa bei Sicherheitsupdates oder Modell-Aktualisierungen.
  • API-Anbindung: Der Agent läuft bei einem Anbieter, das eigene System sendet nur Anfragen. Das reduziert den technischen Aufwand deutlich, kostet aber pro Anfrage und macht den Betrieb von der Verfügbarkeit des Anbieters abhängig.

Wer sich zunächst mit dem Gedanken eines eigenen Agenten beschäftigt, ohne Hermes konkret installieren zu wollen, findet einen allgemeinen Einstieg in unserem Beitrag dazu, wie man einen KI-Agenten baut. Dort geht es um die Grundentscheidungen, bevor überhaupt ein konkretes Projekt wie Hermes ins Spiel kommt.

Hermes KI-Agent installieren: die wichtigsten Schritte

Wer Hermes KI-Agent installieren will, folgt der Anleitung des Projekts auf GitHub. Grob gehören dazu das Herunterladen des Quellcodes, das Einrichten einer Python-Umgebung, die Auswahl und das Laden eines Sprachmodells sowie das Konfigurieren der Speicherfunktion für das Gedächtnis. Für ein lokales Modell wird zusätzlich eine Grafikkarte mit ausreichend Videospeicher benötigt.

Welches Modell für den Agent infrage kommt

Hermes Agent selbst ist kein Sprachmodell, sondern die Hülle, die ein Modell mit Gedächtnis und Werkzeugen verbindet. Für das eigentliche Denken und Formulieren braucht der Agent ein Sprachmodell im Hintergrund.

Naheliegend ist die Nutzung der Hermes-Modellreihe von Nous Research selbst, da sie speziell für Aufgaben mit Werkzeugnutzung trainiert wurde. Möglich ist aber auch der Einsatz anderer offener Modelle, etwa aus der Llama- oder Mistral-Familie, sofern sie die vom Agenten erwarteten Formate unterstützen. Je größer das gewählte Modell, desto höher die Anforderungen an die Hardware und desto langsamer die Antwortzeit auf gewöhnlicher Ausstattung.

Einen breiteren Überblick über gängige Sprachmodelle und ihre Eignung für den betrieblichen Einsatz bietet unser Vergleich der KI-Modelle. Dort steht auch, welche Modelle sich für welche Aufgaben eher eignen als andere.

Kosten und Aufwand im Vergleich zu fertigen KI-Agenten

Hermes Agent selbst kostet nichts, der Quellcode ist frei verfügbar. Die tatsächlichen Kosten entstehen an anderer Stelle: bei der Hardware für den eigenen Betrieb, bei den laufenden Gebühren einer API oder bei der Arbeitszeit, die für Einrichtung und Wartung anfällt. Diese Arbeitszeit wird beim Vergleich mit fertigen Anbietern oft übersehen.

KriteriumHermes Agent (selbst betrieben)Fertiger KI-Agent
EinrichtungTechnisches Wissen nötig, mehrere Stunden bis TageMeist Konfiguration über eine Oberfläche
WartungLäuft in eigener VerantwortungÜbernimmt der Anbieter
SupportCommunity und DokumentationDirekter Ansprechpartner beim Anbieter
DatenschutzVolle Kontrolle bei eigenem HostingAbhängig vom Anbieter und dessen Standort
AnpassbarkeitQuelloffen, beliebig veränderbarMeist auf vorgesehene Funktionen begrenzt
Hermes Agent im Vergleich zu einem fertigen KI-Agenten

Wer Datenschutz und Serverstandort genauer prüfen will, findet Hintergrund in unserem Beitrag zu datenschutzkonformer KI im Betrieb. Der Punkt betrifft sowohl selbst gehostete Systeme als auch API-Anbindungen an Anbieter außerhalb der EU.

Für wen sich Hermes lohnt und für wen nicht

Hermes Agent lohnt sich für Betriebe mit eigener Softwareentwicklung. Wer bereits Server betreibt und Python-Kenntnisse im Haus hat, kann den Agenten an spezifische interne Abläufe anpassen, ohne von einem externen Produkt abhängig zu sein. Auch für sehr sensible Daten kann das eigene Hosting sinnvoll sein, weil keine Anfrage das Haus verlässt.

Für die meisten kleinen und mittleren Betriebe überwiegt der Aufwand den Nutzen. Ohne eigene Entwicklungsabteilung bindet die Einrichtung und laufende Pflege Zeit, die an anderer Stelle fehlt. Ein Blick auf unsere Einordnung, wann ein KI-Agent statt eines einfachen Chatbots sinnvoll ist, hilft bei der Vorentscheidung. Wer stattdessen eine sofort einsetzbare Lösung sucht, sollte einen Blick in unseren Überblick zu kostenlos nutzbaren KI-Agenten werfen, bevor eine eigene Hermes-Installation geplant wird.

Ein selbst gehosteter Agent gibt volle Kontrolle. Diese Kontrolle kostet Zeit, die sonst für den eigentlichen Betrieb fehlt.

Häufige Fragen

Hermes Agent ist ein Open-Source-Agentensystem von Nous Research. Es führt ein eigenes Gedächtnis, verbessert sich anhand vergangener Aufgaben selbst und kann externe Werkzeuge wie Suchfunktionen oder Programmierschnittstellen aufrufen.

Die Installation erfolgt über den Quellcode auf GitHub. Dazu gehören das Einrichten einer Python-Umgebung, die Auswahl eines Sprachmodells und die Konfiguration der Gedächtnisfunktion. Für lokale Modelle ist zusätzlich eine leistungsfähige Grafikkarte nötig, und die Installation erfordert Erfahrung mit der Kommandozeile.

Mit Hermes App Agent ist meist die Anwendungsschicht des Hermes-Agentensystems gemeint, also die Oberfläche oder Schnittstelle, über die Nutzer mit dem Agenten interagieren, im Unterschied zum reinen Sprachmodell im Hintergrund. Eine offizielle eigenständige App neben dem Open-Source-Projekt gibt es laut Nous Research nicht.

Der Agent arbeitet am besten mit der Hermes-Modellreihe von Nous Research, weil diese gezielt für Werkzeugnutzung trainiert wurde. Alternativ lassen sich auch andere offene Sprachmodelle wie Llama oder Mistral einsetzen, sofern sie das vom Agenten erwartete Format unterstützen.

Der Quellcode von Hermes Agent ist kostenlos und offen verfügbar. Kosten entstehen trotzdem, entweder durch eigene Serverhardware und den Stromverbrauch beim Selbsthosten oder durch laufende Gebühren, wenn ein Modell über eine kostenpflichtige API angebunden wird.

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