Werbung in ChatGPT und der Datenschutz: was im EWR anders geregelt ist
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Seit dem 18. August 2026 sehen auch Nutzer in Deutschland Anzeigen in ChatGPT. Damit stellt sich eine Frage, die für die Nutzung des Dienstes längst durchdiskutiert ist, für die Werbeseite aber kaum: Was geschieht mit den Daten aus einem Gespräch, wenn daneben Werbung ausgespielt wird?
Dieser Text beschreibt, was technisch passiert und was OpenAI dazu angibt. Er bewertet nicht, ob ein bestimmter Einsatz zulässig ist. Das ist eine Rechtsfrage, und die gehört zu jemandem, der sie beantworten darf.
Der Kern: im EWR wird nicht personalisiert
Personalisierte Anzeigen sind im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz zunächst nicht verfügbar. Das steht so im deutschsprachigen Hilfebereich von OpenAI. Damit weicht der europäische Kanal an der Stelle vom amerikanischen ab, aus dem die meisten Berichte über dieses Thema stammen.
Zur Auswahl einer Anzeige stehen damit vier Signale zur Verfügung: der Zusammenhang des laufenden Gesprächs, der ungefähre Standort, die Tageszeit und der Gerätetyp. Ein Profil über die Person, aufgebaut aus früheren Unterhaltungen, gehört ausdrücklich nicht dazu.
Für den EU-Start musste OpenAI seine Datenschutzregeln anpassen. Einer weitergehenden Personalisierung müssten Nutzer ohne kostenpflichtiges Abonnement erst zustimmen; voreingestellt ist sie nicht.
Zwei Missverständnisse, die häufig auftauchen
Das erste: Die Personalisierung abzuschalten macht ChatGPT nicht werbefrei. Der Schalter in den Werbeeinstellungen verändert, wie stark eine Anzeige auf die Person zugeschnitten wird. Er blendet sie nicht aus. Werbefrei sind die kostenpflichtigen Tarife, nicht eine Einstellung im kostenlosen.
Das zweite: Dass der Gesprächszusammenhang ausgewertet wird, heißt nicht, dass Werbetreibende ihn zu sehen bekommen. Nach Angaben von OpenAI erhalten sie keinen Zugriff auf einzelne Gespräche, den Verlauf oder personenbezogene Daten. Die Auswertung findet bei OpenAI statt, und ihr Ergebnis ist die Entscheidung, welche Anzeige eingeblendet wird.
Was das praktisch für eine Kampagne bedeutet
Wer eine Kampagne aus den USA übernimmt, verliert die Ebene, auf der dort ein erheblicher Teil der Aussteuerung stattfindet. Übrig bleibt die Frage, zu welchem Anliegen eine Anzeige passt. Diese Frage entscheidet sich am Anzeigentext und an der Themenauswahl, nicht an einer Zielgruppeneinstellung.
Das verschiebt den Aufwand. Statt Zielgruppen zu schneiden, muss man verstehen, in welcher Gesprächslage das eigene Angebot eine sinnvolle Antwort ist. Für Anbieter mit einem klar umrissenen Problem, das Menschen ausformulieren, ist das eher ein Vorteil. Für breit aufgestellte Werbetreibende, die ihre Wirkung aus feiner Segmentierung ziehen, eher nicht.
Hinzu kommt, dass nicht jedes Thema werbefähig ist. In Gesprächen über sensible Bereiche, darunter körperliche und psychische Gesundheit, werden keine Anzeigen eingeblendet. Politische Werbung ist generell ausgeschlossen.
Warum die Einschränkung hier weniger wiegt als anderswo
Nach einer Erhebung von YouGov fühlen sich 40 Prozent der Befragten in Deutschland durch personalisierte Werbung verunsichert. Ein Kanal, der ohne persönliche Profile auskommt, muss diesen Einwand nicht ausräumen.
Für Unternehmen, die selbst mit Datenschutz argumentieren, ist das mehr als ein Randaspekt. Eine Anzeige, die aus dem Zusammenhang der Frage entsteht statt aus einem Profil, lässt sich gegenüber Kunden und dem eigenen Datenschutzbeauftragten leichter erklären als das, was in anderen Kanälen üblich ist.
Was dabei offen bleibt: Der Stand ist als "zunächst" beschrieben. Ob und wann OpenAI Personalisierung im EWR nachreicht und unter welchen Bedingungen, ist nicht angekündigt. Wer eine Kampagne plant, sollte sie so aufsetzen, dass sie ohne auskommt, und den Stand gelegentlich nachlesen.
Der Überblick über den Kanal selbst, mit Zeitleiste und Platzierungen, steht in ChatGPT Ads in Deutschland. Wie wir Kampagnen einrichten und betreuen, auf der Seite zu ChatGPT Ads.
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